Artist Talk with Carmen de Vos

English Version (German version):

Dear Carmen, would you please tell us a little about yourself, describe your background, upbringing in your home town and how you were drawn to your art. Are you self-taught or have you enjoyed an academic education?

I was a smart little girl with lousy parents. I have been made old before I could ever be a kid. I left home rather quickly to live with my love and stopped school soon after that. I’m completely self-taught. Beauty in things attracts me, ever since I was young it has been crucial to surround me with good atmosphere, nice people, good materials, things with an energy and well written words to counter the negative. I find comfort in art. I tried to turn daily life into art until one day it struck me that I reached other people on the level of the heart with something I had been doing casually my entire life. I became conscious when I photographed.

Around my 40th I took a year of Sabbath from my office job and in that year I founded my own magazine, TicKL in which I explored the limits of female sexual fantasies. I didn’t know then and it was not my intention, but from there on, I became a professional photographer. I didn’t always know what I was doing, I had never worked in magazines before, but I knew what I wanted and I worked until I achieved it. The Belgian press embraced me and soon after that I started working for them.

Do you have an outlook, goal or any kind of vision what you would like to do with this stuff? Where is your trajectory going in your own mind?

I live from project to project from idea to idea. No goals other than trying to become better, clearer, more fearless, less attached to what I know, trying hard to become the kid I was with this original mind that was so often not understood. I can be very in love with my own pictures, a feeling comparable like when you look at your newborn baby; despite all its flaws it seems just perfect to you. I love keeping up my archives, randomly rumbling through my pictures feels like a wild trip into my personal dopamine reservoir. I plan to make some books now. In 2018 I’ll be celebrating 10 years of professional photography, and after all this running – even though I feel I have no time to lose – it is necessary to stand still for a while and collect what stands the test of time.

After years of shooting toy camera’s only, I’m taking side steps on the digital path. Trying to disconnect from the idea that photos should be tangible before they can be loved. Let’s see where this route will bring me.

We are roughly of same age. How has the changing digitalized world affected you and your work?

The discovery of the internet opened my vision and expanded my networks with a factor zillion but at the same time it made the heavens fall on my head. So much talent out there, so much confrontation with better and more that I often have to protect myself not to lose myself and get crushed under the weight of the overall excellence. Talent to spare out there. The internet is at the same time the ideal show case – a photo in a dark drawer with no one ever viewing does not have a life – where I connect with an audience.

Thank you very much for your insight!



The talk was conducted by Rüdiger Beckmann

The exhibition runs from November 04 through November 27. Click the picture for FB event.



http://www.carmendevos.com  



Deutsche Version:

Liebe Carmen, bitte schreib uns ein bisschen über Dich, Deine Herkunft, Entwicklung und was Dich zur Kunst gebracht hat. Bist du Autodidakt oder hast Du eine klassische Ausbildung genossen?

Ich war ein gewitztes kleines Mädchen mit lausigen Eltern. Ich wurde zum Erwachsensein erzogen, bevor ich überhaupt Kind sein konnte. Ich habe recht schnell mein Elternhaus verlassen, um mit meiner Liebe zu leben, und gab schon kurz darauf die Schule auf, bin also völliger Autodidakt. Schönheit in Dingen zieht mich an, schon als kleines Mädchen war es mir wichtig, mich mit einer guten Atmosphäre, netten Leuten und guter Energie zu umgeben, gut geschriebenen Worten, um sie dem Negativen entgegenzusetzen. Kunst tröstet mich. Ich versuchte, mein Leben in Kunst zu verwandeln, bis ich irgendwann merkte, dass ich andere Menschen auf einer Herzensebene mit der Tätigkeit erreichte, die ich bis dahin eher beiläufig ausübte. Fotografie hat mich bewusst gemacht.

Um meinen 40. Geburtstag nahm ich mir ein Jahr Auszeit von meinem Job und gründete mein eigenes Magazin, TicKL, in dem ich die Grenzen meiner weiblichen sexuellen Fantasien erforschte. Damals wusste ich es noch nicht und plante das auch nicht, aber an diesem Punkt wurde ich professionelle Fotografin. Ich wusste zuerst nicht wirklich, was ich tat, hatte nie für Magazine gearbeitet, aber ich wusste, was ich wollte, und ruhte nicht, bis ich es bekam. Die belgische Presse nahm meine Arbeit auf, und dann liefs.

Hast Du eine Vision, eine Vorstellung davon, wo es für Dich hingeht?

Ich lebe von Projekt zu Projekt, von Idee zu Idee. Kein Ziel außer dem, klarer und besser zu werden, auch furchtloser, und weniger an Gelerntem festzuhalten. Ich arbeite hart daran, wieder das Kind mit diesem ursprünglichen Sinn zu werden, das damals so oft unverstanden blieb. Ich kann sehr verliebt sein in die eigenen Bilder, das ist wie ein neugeborenes Baby zu betrachten, das einem trotz aller Fehler einfach perfekt erscheint. Ich liebe es, in meinen Archiven zu wühlen, das ist wie ein Trip in meine persönlichen Dopaminvorräte. Ich plane jetzt, Bücher zu machen. 2018 feiere ich mein zehnjähriges Jubiläum als Profi-Fotograf, und nach dem ganzen Gerenne, obwohl ich natürlich das Gefühl habe, keine Zeit verschwenden zu dürfen, ist es nötig, etwas innezuhalten und zu sammeln, was die Zeiten überdauern soll.

Nach Jahren der reinen Toycam-Fotos mache ich jetzt auch digitale Erfahrungen. Ich versuche mich von der Idee zu lösen, dass Fotos begreifbar sein müssen, um geliebt werden zu können. Mal schauen, wo das noch hinführt.

Wir sind etwa im selben Alter. Wie hat die Digitalisierung der Welt Dich und Deine Arbeit berührt?

Die Entdeckung des Internets hat meinen Blick geöffnet und die Netzwerke zillionenfach erweitert, aber manchmal fällt mir auch der Himmel auf den Kopf. So viel Talent da draußen, so viel Konfrontation mit Größer und Besser und Mehr, dass ich mich manchmal schützen muss, um mich nicht zu verlieren, oder von all der Exzellenz zerquetscht zu werden. Auf der anderen Seite ist es ein idealer Ort, um die eigenen Sachen zu präsentieren – ein Foto in einer dunklen Schublade hat kein Leben. Im Internet verbinde ich mich mit meinem Publikum.

Vielen Dank für Deine Gedanken!



Das Interview wurde geführt von Rüdiger Beckmann

Die Ausstellung läuft vom 04. bis 27. November. Klick aufs Bild für die FB Veranstaltung.



http://www.carmendevos.com